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Grand Casino Prilly in Turbulenzen: Entlassungen nur drei Wochen nach der Eröffnung

26 Oktober 2026

Das Grand Casino Prilly erlebt einen äusserst turbulenten Start. Nur drei Wochen nach der Eröffnung am 1. Oktober 2026 sollen bereits rund zehn Mitarbeitende entlassen worden sein. Gleichzeitig berichten mehrere ehemalige Angestellte von organisatorischen Problemen und schwierigen Arbeitsbedingungen. Als Hauptgrund für den Stellenabbau gilt laut Aussagen gegenüber Schweizer Medien die offenbar zu geringe Besucherzahl. Für die neue Spielbank, in die rund 69 Millionen Franken investiert wurden, ist dies ein besorgniserregender Auftakt.

Mindestens zehn Entlassungen kurz nach der Casino-Eröffnung

Die Eröffnung der ersten Spielbank im Grossraum Lausanne sollte einen wichtigen Meilenstein für die Entwicklung des Quartiers Malley darstellen. Doch die anfängliche Begeisterung ist rasch einer zunehmenden Verunsicherung gewichen.

Laut einer Recherche der Tageszeitung 24 heures, über die unter anderem RTS, Le Matin und 20 Minuten berichteten, sollen Mitte Oktober mindestens zehn der rund 110 Mitarbeitenden, die für die Eröffnung des Grand Casino Prilly eingestellt worden waren, ihren Arbeitsplatz verloren haben.

Die Kündigungen sollen am Wochenende vom 17. und 18. Oktober 2026 ausgesprochen worden sein. Betroffen seien verschiedene Bereiche, darunter der Spielbetrieb, die Gastronomie, der Empfang und der Sicherheitsdienst.

Damit wären innerhalb kürzester Zeit fast 9 % der ursprünglich eingestellten Mitarbeitenden entlassen worden. Ein bemerkenswert schneller Personalabbau für eine Spielbank, deren Eröffnung über mehrere Jahre vorbereitet worden war.

Mehrere ehemalige Angestellte berichten zudem, dass es bereits vor der offiziellen Eröffnung zu Entlassungen gekommen sei, insbesondere während der Probezeit.

Besucherzahlen offenbar deutlich unter den Erwartungen

Gemäss den Aussagen ehemaliger Mitarbeitender gegenüber den Medien soll die Casinoleitung den Stellenabbau hauptsächlich mit wirtschaftlichen Gründen erklärt haben. Die Zahl der Gäste reiche offenbar nicht aus, um den ursprünglich vorgesehenen Personalbestand aufrechtzuerhalten.

Während die Eröffnung noch zahlreiche Besucherinnen und Besucher angezogen habe, sei die Gästezahl in den darauffolgenden Tagen deutlich zurückgegangen.

Mehrere Angestellte geben an, diesen Rückgang selbst beobachtet zu haben. Dass sich die Entwicklung jedoch derart schnell auf die Arbeitsplätze auswirken würde, hätten sie nicht erwartet.

Die Situation steht im deutlichen Gegensatz zu den ursprünglichen Geschäftszielen. Das Grand Casino Prilly rechnete mit rund 300'000 Eintritten pro Jahr und einem Jahresumsatz von 40 Millionen Franken.

Um diese Ziele zu erreichen, hatte die Spielbank zunächst rund 110 Mitarbeitende eingestellt. Mittelfristig war sogar vorgesehen, den Personalbestand schrittweise auf 150 bis 160 Personen auszubauen.

Der schnelle Stellenabbau wirft deshalb eine zentrale Frage auf: Waren die ursprünglichen Prognosen zu optimistisch, oder hat die Geschäftsleitung lediglich auf Besucherzahlen reagiert, die hinter den Erwartungen zurückblieben?

Bislang liegen keine detaillierten Geschäftszahlen für die ersten Betriebswochen vor, anhand derer sich die tatsächliche Entwicklung mit den ursprünglichen Prognosen vergleichen liesse.

Ehemalige Mitarbeitende kritisieren chaotische Organisation

Die Kritik beschränkt sich nicht auf die Kündigungen. Mehrere ehemalige Angestellte schildern gegenüber 24 heures erhebliche organisatorische Schwierigkeiten, die bereits während der Vorbereitungen auf die Eröffnung bestanden haben sollen.

Einige sprechen von unzureichend strukturierten Abläufen, widersprüchlichen Anweisungen und Kommunikationsproblemen mit ihren Vorgesetzten.

In den Aussagen ist zudem von einem angespannten Arbeitsklima die Rede, in dem kritische Bemerkungen von Mitarbeitenden offenbar wenig willkommen gewesen seien.

Auch die Arbeitszeiten, Pausenregelungen und die Erstellung der Dienstpläne gehören zu den angesprochenen Problemen.

Dabei ist zu betonen, dass es sich um Aussagen ehemaliger Mitarbeitender handelt. Diese stellen für sich genommen keinen Nachweis dafür dar, dass die Spielbank gegen arbeitsrechtliche Vorschriften verstossen hat.

Dennoch verleihen die Vorwürfe den aktuellen Schwierigkeiten eine zusätzliche Dimension. Neben den offenbar enttäuschenden Besucherzahlen steht damit auch die betriebliche Vorbereitung des Grand Casino Prilly in der Kritik.

Besonders bitter ist die Situation für Mitarbeitende, die nach eigenen Angaben eine sichere Arbeitsstelle aufgegeben oder sogar ihren Wohnort gewechselt hatten, um bei der neuen Spielbank anzufangen. Einige von ihnen verloren ihre neue Anstellung bereits wenige Wochen später wieder.

Casinoleitung will sich zu den Kündigungen nicht äussern

Angesichts der Vorwürfe hält sich die Leitung des Grand Casino Prilly mit öffentlichen Stellungnahmen zurück.

Rudolph Schiesser, Verwaltungsratspräsident der Grand Casino de Prilly SA, erklärte auf Anfrage von 24 heures, dass sich das Unternehmen nicht zu den Entlassungen äussern wolle.

Auch der Westschweizer Rundfunk RTS berichtet, auf seine Anfragen keine Antwort von der Spielbank erhalten zu haben.

Damit bleiben mehrere Fragen ungeklärt. Dazu gehören insbesondere die endgültige Zahl der Kündigungen, die Auswahlkriterien für die betroffenen Mitarbeitenden sowie mögliche Massnahmen zur Stabilisierung des Personalbestands.

Unklar ist ebenfalls, ob es sich bei den Entlassungen um eine einmalige Anpassung an die tatsächliche Nachfrage handelt oder ob sie auf eine umfassendere Überprüfung des Geschäftsmodells hindeuten.

69 Millionen Franken Investitionen treffen auf die Realität des Marktes

Die Schwierigkeiten des Grand Casino Prilly erhalten angesichts der Dimension des Projekts eine besondere Bedeutung.

Die Spielbank befindet sich im Quartier Malley, direkt gegenüber der Vaudoise aréna. Für den Bau und die Einrichtung wurden insgesamt rund 69 Millionen Franken investiert.

Das Casino verfügt über eine Spielfläche von ungefähr 1'500 m², die sich auf drei Ebenen verteilt. Zur Ausstattung gehören unter anderem 280 Spielautomaten, 20 elektronische Roulette-Spielplätze und acht klassische Spieltische.

Das Projekt wird von einer Gesellschaft getragen, die mit der französischen Groupe Tranchant verbunden ist. Ziel war es, dem Grossraum Lausanne erstmals eine eigene terrestrische Spielbank zu bieten.

Das Grand Casino Prilly verfügt über eine eidgenössische Spielbanken-Konzession vom Typ A und sollte sich als bedeutendes Freizeit- und Unterhaltungsangebot im Westen von Lausanne etablieren.

Eine Infrastruktur dieser Grössenordnung bringt allerdings hohe Fixkosten mit sich. Personal, Sicherheit, Unterhalt, technische Ausstattung und der tägliche Betrieb verursachen beträchtliche Ausgaben, unabhängig von der tatsächlichen Besucherzahl.

Bleibt die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück, kann dies die Wirtschaftlichkeit des Casinobetriebs entsprechend schnell belasten.

Dennoch gilt: Nach lediglich drei Betriebswochen lässt sich noch nicht von einem wirtschaftlichen Scheitern der Spielbank sprechen. Ein neu eröffnetes Casino benötigt unter Umständen mehrere Monate, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern, Stammkunden zu gewinnen und seine betrieblichen Abläufe zu optimieren.

Schweizer Spielbanken unter Druck: Rückläufige Einnahmen im terrestrischen Casinogeschäft

Die Schwierigkeiten in Prilly fallen in eine Zeit, in der auch die Entwicklung des gesamten Schweizer Casino-Marktes berücksichtigt werden muss.

Gemäss Zahlen der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK), auf die sich Schweizer Medien berufen, gingen die Umsätze der Spielbanken derselben Kategorie wie das Grand Casino Prilly zwischen 2022 und 2025 um rund 12 % zurück.

Diese Entwicklung verdeutlicht die Herausforderungen, mit denen ein Teil der terrestrischen Schweizer Casinos konfrontiert ist. Gleichzeitig verändern sich die Spielgewohnheiten der Kundschaft.

Eine zusätzliche Konkurrenz entsteht insbesondere durch die in der Schweiz legal zugelassenen Online-Casinos. Spielerinnen und Spieler können heute rund um die Uhr auf ein digitales Glücksspielangebot zugreifen, ohne dafür eine Spielbank besuchen zu müssen.

Terrestrische Casinos müssen deshalb verstärkt auf das Erlebnis vor Ort setzen. Dazu gehören ein attraktives Gastronomieangebot, Veranstaltungen, Unterhaltungsmöglichkeiten und die Positionierung als eigenständige Ausflugsziele.

Das Grand Casino Prilly hatte diese Aspekte bereits in seine ursprüngliche Strategie integriert. Besonders die Nähe zur Vaudoise aréna und die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr sollten zusätzliche Besucher anziehen.

Ob diese Standortvorteile ausreichen, um langfristig eine regelmässige Kundschaft aufzubauen, bleibt abzuwarten.

Wirtschaftliche Auswirkungen auf die Region könnten geringer ausfallen

Die Eröffnung des Grand Casino Prilly war im Kanton Waadt auch mit grossen wirtschaftlichen Erwartungen verbunden.

Neben der Schaffung neuer Arbeitsplätze sollte die Spielbank zusätzliche Steuereinnahmen generieren und über die eidgenössische Spielbankenabgabe zur Finanzierung der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) beitragen.

In den ursprünglichen Prognosen war insbesondere von jährlichen Einnahmen zwischen 3 und 4 Millionen Franken für den Kanton Waadt sowie einem Beitrag von rund 450'000 Franken pro Jahr für die Gemeinde Prilly die Rede.

Diese Schätzungen basierten allerdings auf den erwarteten Geschäftsergebnissen der Spielbank.

Sollten die Besucherzahlen und Einnahmen dauerhaft unter den ursprünglichen Zielen bleiben, könnten auch die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Region geringer ausfallen als zunächst angekündigt.

Mit den ersten Entlassungen gibt es bereits einen Rückschlag bei der Beschäftigung. Schliesslich gehörte die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu den wichtigsten Argumenten für das Casino-Projekt.

Wie geht es mit dem Grand Casino Prilly weiter?

Trotz des schwierigen Starts verfügt das Grand Casino Prilly weiterhin über mehrere Voraussetzungen, um sich langfristig auf dem Schweizer Glücksspielmarkt zu etablieren.

Der Standort in einem bedeutenden Ballungsraum, die moderne Ausstattung und die Nähe zu den Freizeit- und Sporteinrichtungen in Malley könnten dazu beitragen, künftig weitere Besucherinnen und Besucher anzuziehen.

Allerdings muss die Spielbank nun mehrere Herausforderungen gleichzeitig bewältigen. Dazu gehören die Stabilisierung des Personalbestands, die Verbesserung der internen Organisation, die Steigerung der Besucherzahlen und die Wiederherstellung eines vertrauensvollen Arbeitsklimas.

Die kommenden Monate dürften vor allem zeigen, ob es sich bei den aktuellen Problemen lediglich um Schwierigkeiten in der Startphase handelt oder ob zwischen den ursprünglichen Geschäftszielen und dem tatsächlichen Marktpotenzial eine grössere Diskrepanz besteht.

Für die erste Spielbank im Grossraum Lausanne geht es nun darum, einen turbulenten Start in einen langfristig erfolgreichen Casinobetrieb zu verwandeln.

Nach mehreren Jahren Vorbereitung und Investitionen von knapp 69 Millionen Franken sind die ersten Entlassungen zweifellos ein Warnsignal. Sie erlauben jedoch noch keine abschliessende Beurteilung der Zukunft des Grand Casino Prilly.

Die Situation zeigt vielmehr, dass der Erfolg einer Spielbank nicht allein von ihrer Ausstattung oder ihrem Standort abhängt. Ebenso entscheidend sind eine funktionierende Betriebsorganisation, eine solide Unternehmensführung und die Fähigkeit, langfristig eine treue Kundschaft aufzubauen.

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