Legal glücksspiel in Schweiz
Casinospiele, Poker und Sportwetten übers Internet auf kostenpflichtigen Websites nun auch in Schweiz erlaubt.
Paf arbeitet im Rahmen eines Pilotprojekts mit Meta zusammen, um nicht lizenzierte Glücksspielanbieter und deren Affiliates besser identifizieren zu können. Das Projekt startet in der Schweiz und soll eine Methode entwickeln, die später auch auf andere regulierte Märkte übertragen werden könnte.
Der Kampf gegen illegale Glücksspielseiten beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die Sperrung ihrer Domainnamen. Auch soziale Netzwerke und digitale Werbung spielen eine zunehmend wichtige Rolle – insbesondere dann, wenn ausländische Anbieter gezielt Spielerinnen und Spieler in Ländern ansprechen, in denen sie über keine entsprechende Bewilligung verfügen.
Genau in diesem Bereich wollen Paf und Meta künftig zusammenarbeiten. Der nordische Glücksspielanbieter beteiligt sich an einem Pilotprojekt, das unter anderem auf einem verbesserten Informationsaustausch basiert. Dadurch soll besser zwischen zugelassenen Marktteilnehmern und Anbietern unterschieden werden können, die den Schweizer Markt ohne die erforderliche Bewilligung ins Visier nehmen.
Vorgestellt wurde das Projekt von Jesper Eliasson, Director of Business Development bei Paf, anlässlich des SBC Summit in Lissabon.
Im Rahmen der Zusammenarbeit soll Paf Meta verschiedene Informationen über den regulierten Glücksspielmarkt zur Verfügung stellen. Dazu gehören insbesondere Unterlagen zu Bewilligungen sowie Internetadressen und URLs.
Ziel ist es, Meta präzisere Informationen an die Hand zu geben, anhand derer sich feststellen lässt, welche Unternehmen tatsächlich berechtigt sind, ihre Dienstleistungen auf dem jeweiligen Markt anzubieten.
Das System soll sich dabei nicht nur auf Casinos und Glücksspielanbieter selbst beschränken. Auch Affiliates, die deren Angebote bewerben, sollen berücksichtigt werden.
Dieser Punkt ist besonders relevant, da Glücksspielwerbung auf ihrem Weg zu potenziellen Spielern verschiedene Zwischenstationen durchlaufen kann. Eine Anzeige kann direkt von einem Betreiber geschaltet werden, aber ebenso von einem Vermittler oder einer Affiliate-Webseite, die anschliessend auf die eigentliche Glücksspielplattform weiterleitet.
Hinzu kommt die Vielzahl unterschiedlicher Glücksspiellizenzen in Europa und weltweit. Ein Betreiber kann in einer bestimmten Jurisdiktion ordnungsgemäss zugelassen sein, ohne deshalb automatisch berechtigt zu sein, Schweizer Spieler anzusprechen.
Das Vorhandensein irgendeiner Glücksspiellizenz reicht somit nicht aus, um festzustellen, ob eine Werbekampagne auch in jenem Land zulässig ist, in dem sie ausgespielt wird.
Die Schweiz bietet für ein solches Pilotprojekt besonders interessante Voraussetzungen, da der Glücksspielmarkt hierzulande streng reguliert ist.
Paf kennt diesen Markt zudem aus eigener Erfahrung. Das Unternehmen ist Technologiepartner und Experte von mycasino.ch, dem Online-Casino des Grand Casino Luzern.
Nach Angaben von Paf nimmt mycasino.ch eine führende Position auf dem regulierten Schweizer Markt ein und erzielt einen jährlichen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro.
Durch diese Zusammenarbeit verfügt Paf über konkrete Kenntnisse der Besonderheiten des Schweizer Glücksspielmarktes und der Schwierigkeiten, die durch ausländische Anbieter entstehen können.
Der Start in einem einzigen Land soll die Durchführung des Pilotprojekts zudem vereinfachen. Anstatt sofort eine gesamteuropäische Lösung entwickeln zu wollen, können Paf und Meta ihre Methode zunächst in einem klar abgegrenzten regulatorischen Umfeld testen.
Langfristig sind die Ambitionen jedoch deutlich grösser. Sollte das System dabei helfen, nicht zugelassene Glücksspielanbieter und deren Affiliates wirksamer zu erkennen, könnte das Schweizer Modell später als Grundlage für vergleichbare Lösungen in anderen Ländern dienen.
Die Herausforderung besteht allerdings nicht nur darin, problematische Anbieter erstmals zu identifizieren.
Nicht lizenzierte Betreiber können neue Webseiten, Domains, Werbekonten oder Vermittler einsetzen, um weiterhin Spielerinnen und Spieler in regulierten Märkten zu erreichen. Kontrollmechanismen müssen deshalb kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Jesper Eliasson verweist zudem auf die Komplexität, die durch die Vielzahl internationaler Jurisdiktionen und Glücksspiellizenzen entsteht.
Hinter einer Werbung in einem sozialen Netzwerk kann beispielsweise ein Unternehmen stehen, das in einem Land registriert ist, möglicherweise über eine Lizenz aus einem anderen Staat verfügt und gleichzeitig versucht, Kunden in einem dritten Land zu gewinnen.
Für eine internationale Plattform wie Meta ist es entsprechend schwierig, automatisiert festzustellen, ob ein bestimmter Werbetreibender im jeweils angesprochenen Land tatsächlich tätig sein darf.
Das Schweizer Pilotprojekt soll diese Grauzone verkleinern, indem der Plattform zusätzliche und direkt nutzbare Informationen zur Verfügung gestellt werden.
Die Zusammenarbeit mit Meta ist für Paf allerdings nur ein Teil einer umfassenderen Strategie.
Nach Ansicht von Jesper Eliasson müssen auch die zuständigen Aufsichtsbehörden über ausreichend wirksame Instrumente verfügen, um gegen Unternehmen vorzugehen, die einen regulierten Glücksspielmarkt bewusst unter Umgehung der geltenden Vorschriften ansprechen.
Zu den genannten Möglichkeiten zählen unter anderem Unterlassungsaufforderungen an Betreiber und Affiliates, eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Glücksspielbehörden verschiedener Länder sowie gegebenenfalls das Einfrieren bestimmter Vermögenswerte, wenn Unternehmen gezielt einen regulierten Markt ins Visier nehmen.
Paf spricht sich damit für einen koordinierten Ansatz aus. Technologieplattformen können die Werbereichweite problematischer Glücksspielanbieter einschränken, während Behörden über rechtliche und finanzielle Instrumente verfügen, um direkt gegen die betreffenden Unternehmen vorzugehen.
Auch eine stärkere internationale Zusammenarbeit erscheint wichtig, da Glücksspielunternehmen ihre Aktivitäten von einer Jurisdiktion aus betreiben können, die weit vom Wohnsitz ihrer Kunden entfernt liegt.
Gleichzeitig warnt Paf davor, ausschliesslich mit immer strengeren Vorschriften für bereits zugelassene Glücksspielanbieter auf die Problematik zu reagieren.
Zusätzliche Einschränkungen können den Spielerschutz verbessern, sofern sie angemessen ausgestaltet sind. Laut Jesper Eliasson besteht jedoch die Gefahr, dass übermässig strenge Vorgaben regulierte Glücksspielangebote weniger attraktiv machen und dadurch einzelne Spieler auf ausländische Plattformen ausweichen.
Die sogenannte Kanalisierung gehört deshalb zu den zentralen Herausforderungen regulierter Glücksspielmärkte. Es reicht nicht aus, dass legale Angebote vorhanden sind. Entscheidend ist auch, dass ein ausreichend grosser Anteil der Spieler tatsächlich innerhalb des regulierten Marktes bleibt.
Die Bekämpfung nicht bewilligter Anbieter ergänzt somit die Regulierung legaler Unternehmen. Je umfangreicher die Anforderungen an konzessionierte beziehungsweise bewilligte Anbieter ausfallen, desto wichtiger wird es, zu verhindern, dass illegale Konkurrenten dieselben Vorschriften einfach umgehen können.
Paf begründet seine Initiative auch mit dem Schutz der Spielerinnen und Spieler.
Ein regulierter Glücksspielanbieter muss die mit seiner Bewilligung verbundenen Kosten tragen, die regulatorischen Anforderungen des jeweiligen Marktes erfüllen und verschiedene Massnahmen für verantwortungsvolles Spielen umsetzen.
Verlustlimiten und Instrumente zur Überwachung beziehungsweise Kontrolle des Spielverhaltens gehören zu den Massnahmen, die Paf in diesem Zusammenhang hervorhebt.
Ein ausländischer Anbieter, der ohne entsprechende Zulassung tätig ist, kann sich dagegen einem Teil oder sogar sämtlichen dieser Verpflichtungen entziehen und gleichzeitig direkt mit regulierten Unternehmen konkurrieren.
Für Jesper Eliasson entsteht daraus ein doppeltes Problem: einerseits ungleiche Wettbewerbsbedingungen für legale Glücksspielanbieter und andererseits möglicherweise ein geringeres Schutzniveau für Spieler, die den regulierten Markt verlassen.
Das Projekt geht nun in die praktische Umsetzungsphase. Paf räumt ein, dass es noch zu früh sei, um beurteilen zu können, ob die Zusammenarbeit tatsächlich die erhofften Ergebnisse bringt. Die bisherigen Gespräche mit Meta werden jedoch als konstruktiv beschrieben.
Entscheidend wird insbesondere sein, ob sich anhand der übermittelten Informationen Werbetreibende zuverlässiger identifizieren lassen, die ihre Glücksspielangebote nicht an das Schweizer Publikum richten dürften.
Die Erfahrungen aus der Schweiz könnten deshalb auch international auf Interesse stossen. Digitale Werbung lässt sich problemlos über Landesgrenzen hinweg verbreiten, während Glücksspielbewilligungen weiterhin überwiegend national geregelt sind.
Ein Mechanismus, mit dem grosse Online-Plattformen eine Werbung, die dahinterstehende Glücksspielbewilligung und das tatsächlich angesprochene Land besser miteinander abgleichen können, könnte daher einen wichtigen Fortschritt darstellen.
Auch wenn das Pilotprojekt das Problem illegaler Glücksspiele kaum allein lösen dürfte, eröffnet die Zusammenarbeit zwischen einem mit dem regulierten Markt vertrauten Glücksspielunternehmen und einem globalen Technologiekonzern wie Meta einen neuen Ansatz.
Paf hat bereits angekündigt, die Zusammenarbeit mit Meta unabhängig vom Ausgang dieses ersten Schweizer Pilotprojekts fortsetzen zu wollen.
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