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Lootboxes in Videospielen in der Kritik

12/12/2017

Sind Lootboxen vergleichbar mit Onlineglücksspiel? Politiker in Großbritannien, Europa und den USA seit einigen Wochen über diese Frage. Dabei geht es um den Umgang mit dem Trend der Spieleindustrie, gegen ein Entgelt Spielern in sogenannten Lootboxes die Möglichkeit zu bieten, zusätzliche Waffen oder andere für den Fortschritt im Spiel wichtige Materialien dazuzukaufen. Da Lootboxen per Zufallsgenerator bestückt werden, weiß der Spieler vorher nicht, was er in den Lootboxen findet. Der Glückfaktor und die teilweisen hohen Summen, die Spieler für den unbekannten Inhalt bezahlen, ist für Gesetzgeber in vielen Ländern alarmierend.

Videospiele erfreuen sich großer Beliebtheit. Seit Jahren wächst die Spielebranche wie kaum ein anderer Markt. Doch auch die Produktion der Spiele wird immer teurer, nicht zuletzt, weil die Grafik immer besser, der Anteil an Virtual- oder Augmented-Reality-Spielen zunimmt und damit die Programmierung immer aufwändiger wird. Bekannte Spielehersteller wie der Marktführer Electronic Arts (EA) haben sich daher einen Trick einfallen lassen: Die Spieler erhalten in Videospielen die Möglichkeit, zusätzliches Equipment dazuzukaufen, um möglichst schnell voranzukommen – und das, obwohl sie die Spiele bereits für mehrere Hundert Euro gekauft haben.

Dieses Angebot steht schon seit einiger Zeit auch bei den Spielern in der Kritik. Sich das Vorankommen freizukaufen, verstößt für viele gegen den eigentlichen Sinn des Spiels. Es gehe nicht mehr um Geschick oder Entscheidungen, sondern allein um Geld. Ein Abzockmodell, so der Redakteur der Zeitschrift Chip in einem Meinungsbeitrag.

Das sehen auch einige Poliker so. Ende Oktober diskutierte das britische Paralament über die Frage. Dabei gingen die Meinungen auseinander: Einerseits könne man über die Lootboxen kein Geld, sondern nur virtuelle Gegenstände gewinnen, sie wären insofern kein klassisches Glücksspiel. Andererseits wurde dennoch die staatliche VSC (Video Standards Council, Rat zur Festlegung von Videostandards) hinzugezogen, die sich um den Schutz Minderjähriger vor Geldspielen kümmert.

Das belgische Parlament bezog klarer Position. Der belgische Justizminister sprach sich in den vergangenen Tagen klar gegen Lootboxen aus und erklärte, dass sie durch die Vermengung von „Geld und Suchtgefahr“ eindeutig als Glücksspiel anzusehen seien. Nach Abschluss der laufenden Studie der belgischen Spielekomission Kansspelcommissie möchte er auch die Europäische Union miteinbeziehen.
Auch in Frankreich äußerte sich der Abgeordnete Jérôme Durain in einem Brief an die ARJEL (l'Autorité de Régulation des Jeux En Ligne, französischer Rat zur Regulierung des Onlineglücksspiels) gegen Lootboxen. Er stellte klar, dass die Ausweitung dieser Praktik in der Videospielindustrie verschiedene Probleme aufwirft, z. B., dass einige Spiele nur noch durch den Zukauf von Lootboxen gewonnen werden könnten und dass die Spieler vor dem Kauf den Inhalt der Lootbox nicht kennen. Dies kennzeichne dieses Angebot als Glücksspiel.

Auch in den USA regte sich Widerstand. So klagte ein Abgeordneter aus Hawaii den Spielehersteller Electronic Arts direkt an, mit Loxboxen die Gutgläubigkeit Minderjähriger auszunutzen. Er rief die Spielegemeinschaft in den USA dazu auf, sich an ihren jeweiligen Abgeordneten zu wenden und ein Gesetz gegen Lootboxen zu fordern.

Die Debatte steht noch am Anfang und wird sicher noch einige Wellen schlagen. Das wird den Spieleherstellern nicht unrecht sein: Solange keine Entscheidung auf dem Tisch liegt, verdienen sie weiter an dem Millionengeschäft mit Lootboxen.

 
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